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Auerhühner im Fichtelgebirge

Auerhühner im Fichtelgebirge

Steckbrief eines großen Europäers

Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) ist der größte, wildlebende Hühnervogel Europas. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Skandinavien bis Nordasien und von Schottland bis Sibirien. Auerhühner sind perfekt an den Lebensraum in diesen kühlen Gebieten angepasst.

Ein Auerhahn erreicht ein Gewicht von bis zu 6 kg und eine Flügelspannweite von über einem Meter. Die Hähne tragen ein dunkel schiefergraues Federkleid, das auf der Brust metallisch glänzt. Die Flügeldecken sind meist dunkelbraun gefärbt. Auerhühner gehören wegen ihrer bis zu den Zehen befiederten Beine zur Familie der Raufußhühner. seitlich an den Zehen haben sie Hornstifte, die im oft schneereichen Winter wie Schneeschuhe wirken.

Die Auerhennen sind mit rund 2,5 kg Gewicht und etwa 70 cm Spannweite wesentlich kleiner als die Hähne. Die Hennen sind auf der Oberseite braun gefärbt. Durch schwarze und silberne Streifen erscheinen sie gesprenkelt. Dadurch sind sie in der Vegetation perfekt getarnt, beispielsweise wenn sie während der Brut auf ihrem Nest am Waldboden kauern. Die Brut und Aufzuchtzeit ist von Mai bis August. Auffällig bei beiden Geschlechtern ist eine leuchtend rot gefärbte nackte Hautstelle über den Augen, die so genannten Rosen.

Lebensraum für urige Hühner

Das Auerhuhn ist ein echter Waldbewohner. Es bevorzugt weite zusammenhängende Wälder mit einem hohen Anteil an Nadelbäumen und möglichst viel Heidelbeerkraut als Bodenvegetation. In einem optimalen Auerhuhnlebensraum im Fichtelgebirge müssen bestimmte Elemente vorhanden sein:

  • Buchenknospen als Frühjahrsnahrung
  • Heidelbeere als Nahrungspflanze im Frühjahr, Sommer und Herbst
  • einzeln stehendes Totholz oder tiefe laubfreie Äste für die Baumbalz
  • versteckte Nistplätze unter tiefastigen Fichten
  • eine hohe Beerkrautschicht für einen besseren Schutz bei schlechter Witterung
  • stehendes oder liegendes Totholz mit reichlichen Holzbewohnern zur Nahrung
  • Ameisenhaufen als zuverlässige Eiweißquelle für die Küken
  • Baumstümpfe, Felsen oder andere Aussichtswarten für den Hahn bei der Balz
  • Vogelbeeren als Herbst- und Winternahrung
  • Rohbodenstellen als Huderpfannen und zur Aufnahme von Magensteinchen
  • dichte Laub- oder Nadelbaumkronen als Schlafplatz und zum Schutz bei ungünstiger Witterung

Ein bedrohter Natur- und Kulturschatz

Der Auerhahn hat die Menschen vor allem durch sein Balzverhalten zu allen Zeiten tief beeindruckt. Er ist Natur- und Kulturgut gleichermaßen. Bilder von balzenden Auerhähnen oder ausgestopfte Tiere schmücken Wirtshäuser und herrschaftliche Jagdzimmer oder sind zu Wappen und Markenzeichen z.B. von Brauereien geworden. Der Urhahn, wie der Auerhahn auch respektvoll genannt wird, braucht heute jedoch die Hilfe des Menschen.

Für den Urhahn wird es eng

Das Auerhuhn ist durch vom Menschen verursachte Lebensraumveränderung in ganz Mitteleuropa stark vom Aussterben bedroht. Neben einer nicht an die Bedürfnisse der Auerhühner angepasste Waldbewirtschaftung gehören auch zunehmend Störungen durch Freizeitnutzer, Klimawandel und Stickstoffeinträge aus der Luft zu den ungünstigen Einflüssen.

Im Fichtelgebirge lebt eine der letzten Auerhuhnpopulationen Bayerns. Hier finden die großen Vögel noch urige, nordisch anmutende Nadelwälder. Doch auch hier sind diese Wälder starken Veränderungen ausgesetzt. Damit die kleine Population überleben kann, ist es unbedingt notwendig, ihre Lebensräume zu erhalten, zu verbessern und untereinander zu vernetzen .

Fairplay im Reich des Auerhahns

Fairplay ist für Sportler eine Selbstverständlichkeit. Deshalb sollten Biker, Schneeschuhgeher, Wanderer und Skifahrer sich auch der Natur und den Tieren gegenüber fair verhalten und sich in den Wäldern des Fichtelgebirges an die ausgewiesenen Wanderwege, Radrouten und Loipen halten.

Auerhühner sind sehr scheu und reagieren sehr empfindlich auf Störungen durch den Menschen. Sie brauchen fast das ganze Jahr über dringend Ruhe. In den Hochlagen des Fichtelgebirges weisen Hinweisschilder auf Wildschutzgebiete hin. Hier herrscht von 1.12. bis 30.6. jedes Jahr absolutes Wegegebot!

Halali im Hühnerwald

Bejagt werden Auerhühner schon seit den 70er Jahren nicht mehr. Nach wie vor ist das Auerhuhn und sein Nachwuchs eine beliebte Beute tierischer Jäger: Fuchs, Baummarder und Habicht sind die Fressfeinde. Auch Wildschweine können den Gelegen gefährlich werden. Eine gezielte Jagd der Beutegreifer im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten leistet auch einen Beitrag, um den Auerhühnern im Fichtelgebirge zu helfen.

Text: Ronald Ledermüller, Ranger im Naturpark Fichtelgbirge.

Doku „Das Auerhuhn im Naturpark Fichtelgebirge“

Als Teil einer Ausstellung zum Auerhuhn im Fichtelgebirge wurde vom Naturpark Fichtelgebirge e.V. ein 12 minütiger Dokumentarfilm produziert. Hier können die scheuen Tiere während der Balz beobachtet werden.

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Video Auerhahn im Fichtelgebirge

Der damalige Naturpark-Gebietsbetreuer Ronald Ledermüller hatte seltenes Glück. Bei einem seiner Begänge in den Hochlagen des Fichtelgebirges konnte er einen Auerhahn beobachten und mit seiner Digicam filmen.

„Der Hahn flog ganz in der Nähe eines Wanderwegs auf. Sofort habe ich mich hinter einer Fichte versteckt. Nach einigen Sekunden war der prächtige Auerhahn noch so freundlich, in meine Richtung zu fliegen und sich auf einem Ast in etwa 30 Meter Entfernung nieder zu lassen“, erzählt Ronald Ledermüller.

Das Video ist ein schönes und seltenes Dokument einer leider selten gewordenen Begegnung mit den seltenen Auerhühnern. Nicht ohne Grund sind Gebietsbetreuer häufig in den Hochlagen des Fichtelgebirges unterwegs, wo die Auerhühner leben. Der Gebietsbetreuer erklärt Wanderern und Mountainbikern gerne, dass hier diese seltenen Tiere leben. Deshalb sollte man unbedingt auf den Wegen bleiben. Denn auch im Sommer, während die Küken von der Henne großgezogen werden, sind die Tiere sehr störungsempfindlich. In ausgewiesenen Wildschutzgebieten besteht deshalb bis 30. Juni absolutes Wegegebot, d.h. das Verlassen der Wege ist zum Schutz der Tiere verboten. Man muss auch nicht ab vom Weg, um die Natur zu genießen. Denn mit etwas Glück kann man vielleicht auch als aufmerksamer Wanderer ein Auerhuhn vom Weg aus zu Gesicht bekommen.