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Bärwurz

Bärwurz

Bärwurz – Charakterpflanze der Bergwiesen

Der wissenschaftliche Name ist Meum athamanticum, im Volksmund wird sie auch Bärenkümmel oder Bärmutterwurz genannt.

Charakter

Die Bärwurz ist eine heimische, geschützte Pflanze und gehört zu der Familie der Doldenblütler. Weißblühend von Mai bis Juni hat sie feingefiedertes, dillartiges Laub und einen besonderen, kümmelartigen Geruch. Der Geschmack der Blätter und der Samen ist herb und würzig.

Würz-und Heilpflanze

Die Heilwirkung der Pflanze für den Magen, die Verdauung war bereits Hildegard von Bingen bekannt. In Wurzel und in den länglich-eiförmigen Samen sind ätherische Öle enthalten, deren magenstärkende Wirksamkeit geläufig ist. Auch in der Frauenheilkunde wurde die Pflanze früher eingesetzt, der Name erinnert daran. Bärwurz als Speisewürze oder als Wurzelgemüse ist heute fast in Vergessenheit geraten. Bekannt ist jedoch Bärwurzgeist, der im Fichtelgebirge in einer Destille in Weißenstadt aus den Samen hergestellt wird.

Lebensraum

Die lichtliebende Pflanze ist eine Charakterart der bodensauren, montanen Magerwiesen und Magerrasen der Mittelgebirge. Sie wächst auf frischen bis mäßig trockenen Lehmböden in Pflanzengesellschaften der Borstgrasrasen, Zwergstrauchheiden, mageren Gebirgs-Goldhaferwiesen oder Magerweiden. Arnika, Johanniskraut, Klappertopf, Läuse- und Heidekraut sind ihre Begleiter. Die Pflanze ist eine Zeigerart für stickstoffarme, saure Bodenverhältnisse. Skelettreiche Braunerdeböden auf Granit oder Gneis sind das typische Ausgangssubstrat.

Verbreitung

Im Fichtelgebirge kommt die Bärwurz noch häufiger in den Rodungsinseln von Nagel, Brand, Warmensteinach und Fichtelberg vor, Restvorkommen gibt es in Tröstau, Weißenstadt, Schirnding und Schönwald.

Gefährdung

Die Bärwurz ist bayern- und bundesweit als „gefährdet“ eingestuft (RL Bay 3, RL D3) und in Bayern nur im Nordosten zu finden (Frankenwald, Fichtelgebirge). Nur noch in Fragmenten – z.B. auf Rainen, an Wald- und Wiesenrändern sind Reste ehemaliger Bärwurzwiesen anzutreffen; manche Standorte liegen brach und werden überwachsen von Blauer Lupine, Himbeeren, Adlerfarn und anderem Gehölzaufwuchs.

Die Erhaltung von Bärwurzwiesen in Nordostbayern ist von landesweiter Bedeutung, als Charakterpflanze der „Bergwiese“ ist sie Teil des Europäischen Naturerbes, der Naturraum Fichtelgebirge hat für seine Bärwurzwiesen eine besondere Verantwortung.

Naturschutz und Landschaftspflege

Da auch kleinste Reste unbedingt erhaltenswert sind, mähen Landwirte im Auftrag des Naturparks Fichtelgebirge e.V. als örtlichen Landschaftspflegeverband Bergwiesen und entbuschen Waldsäume und Feuchtbrachen. Die Förderung von montanen Magerwiesen durch die Bayer. Naturschutzbehörden (Zahlungen für 1-2maligen Wiesenschnitt ohne Düngung), hat Priorität im Hohen Fichtelgebirge und hilft die Restbestände zu erhalten. Zudem werden Flächenanteile durch Extensivierung benachbarter Wiesen bzw. Wiederaufnahme der Wiesennutzung vergrößert und erfolgreich geeignete Rohbodenstandorte mit Samenmaterial „geimpft“. Eine Nutzung des Krautes, der Samen sollte nur von Kräuterkundigen erfolgen und sich auf die Anbauflächen konzentrieren. Das Wurzelausgraben schädigt die Bestände und ist nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz verboten.