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Foto: Jörg Schlichter

Gartenschläfer in Oberfranken gesucht?

Die Regierung von Oberfranken hatte in den Naturparken Fichtelgebirge und Frankenwald ein Artenhilfsprojekt zum Erhalt des gefährdeten Gartenschläfers initiiert. Es war eines von 5 oberfränkischen Projekten im Rahmen des Aktionsprogrammes bayerische Artenvielfalt. Mehr dazu

Ziel war und ist es, Vorkommen und Lebensräume der Art näher zu untersuchen und Schutzmaßnahmen abzuleiten. Hilfreich zur Erfassung und Kontrolle von Vorkommen sind spezielle Nisthöhlen, die gerne von Gartenschläfer als Sommerquartiere angenommen werden. Auch Erfassungsröhren aus einfachen Materialien, versehen mit einem Klebeband, liefern Haarproben, die unter dem Mikroskop als Bilchhaare identifiziert werden können.

Der Gartenschläfer hält sich gerne in den strukturreichen Nadelmischwäldern, im Umfeld von Steinbrüchen und Blockhalden auf. Auch in abgelegenen Gebäuden oder Unterkunftshäusern ist der Gartenschläfer gesichtet oder verhört worden.

Mit dem Thema befasst sind die Landschaftsplanerin Gudrun Frohmader-Heubeck und der Forstingenieur Ronald Ledermüller, beide tätig in der Geschäftsstelle des Naturparks Fichtelgebirge Wunsiedel.

Wichtig ist auch die Information der Öffentlichkeit über diese eher unbekannten Art. Die Zusammenarbeit mit den betroffenen Bayerischen Forstbetrieben ist sehr wichtig. Zudem sollen die privaten Waldbesitzer über mögliche Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums informiert werden.

Sachdienliche Hinweise zum Vorkommen des gesuchten Gartenschläfers im Fichtelgebirge und im Frankenwald bitte an:

Gesucht werden auch Helfer beim Anbringen und Kontrolle von Nisthöhlen für den Gartenschläfer sowie Bastler und Kontrolleure von Nachweisröhren.

Natürlich sind wir auch für Hinweise zu Vorkommen des Gartenschläfers (Sichtung, Spuren, Totfund) dankbar.


Steckbrief Gartenschläfer

Rumpfgröße: 12 – 17 cm

Schwanzlänge: 10 – 14 cm

Gewicht: 60 – 90 g (im Winter bis > 130 g)

Fellfarbe: rotbraun-grau, Flanken und Unterseite weiß, auffallend schwarze Kopfzeichnung

Nahrung: Allesfresser, überwiegend tierisch: Insekten, Würmer, Schne cke, kl. Wirbeltiere, Vogeleier, Früchte, Samen, Knospen

Vermuteter Aufenthaltsort: Lebt in Felsregionen aber gerne auch in waldnahen Gebäuden und Gärten.

Lebensweise: nachtaktiv, macht einen ausgedehnten Winterschlaf

Feinde: Füchse, Marder, Eulen

Verbreitung: Gartenschläfer kommen in Europa (ursprünglich) von Portugal bis in den Ural vor.

Verwandte / Lebensraum / Schutzstatus

Verwandtschaft:

Der Gartenschläfer gehört zu den Bilchen, auch Schläfer oder Schlafmäuse genannt. Diese uralte Nagetierfamilie ist weltweit mit 28 Arten vertreten. Seine nächsten Verwandten in Oberfranken sind der bekanntere Siebenschläfer (Glis glis), der vermutlich verschollene Baumschläfer (Dryomys nitedula) und die Haselmaus (Muscardínus avellanarius) als kleinste Bilchart. Mehr dazu:

Eine Besonderheit der Bilche ist der Schwanz. Dieser hat mehrere eingebaute Sollbruchstellen in der Haut. Wird ein Bilch von einem Fressfeind, z.B. einem Marder oder einer Eule am Schwanz gepackt, reißt die Haut ab. Der Bilch kann flüchten, der Angreifer bleibt verdutzt zurük. Der Schwanzknochen trocknet ein, verheilt.

Lebensraum Oberfranken

Typisch für den Lebensraum des Gartenschläfers in Oberfranken sind strukturreiche Nadelmischwälder, Felsregionen mit einer reichen Bodenvegetation aus Moosen und Beersträuchern. Da der Gartenschläfer auch auf tierische Nahrung angewiesen ist, benötigt er in seinem Lebensraum viel Totholz, indem er Schnecken, Würmer, Insekten und Larven findet. In abgestorbenen Bäumen und morschem Holz sowie in Felsspalten und geschützten Erdlöchern kann er außerdem gut sein Winterquartier einrichten. Zu den Felsregionen im Fichtelgebirge siehe auch unter

Altnachweise Gefährdung und Schutz

Der bekannte Wunsiedler Lehrer und Naturkenner Willi Albrecht hat die Schlafmäuse im Fichtelgebirge bereits in den 50er Jahren beschrieben und Gartenschläfer-, Haselmaus- und Siebenschläfervorkommen auf der Luisenburg, dem Schauerberg und der Kösseine aufgezeichnet.

Spätere, systematische Kartierungen aus den 80er Jahren von Ingrid Faltin in den Forstbereichen, haben die Bilcharten von Bayern in die nordostbayerischen Mittelgebirge, neben dem Spessart und dem Alpenraum, beheimatet. Der nicht einfach zu erfassende Gartenschläfer ist häufig bei Kontrollen und Reinigungen von Vogelnistkästen aufgelistet worden. Ein Vorkommensschwerpunkt war schon vor 30 Jahren der Frankenwald und das Fichtelgebirge. Dabei konnte Ingrid Faltin ihn für das Fichtelgebirge um Warmensteinach, Weidenberg und Bischofsgrün nachweisen, zudem im Weißenstädter Forst und um Meierhof, im Selber Forst von Hendelhammer bis zum Wellerthal und um Schönwald und Rehau.

Sehr verdächtige Gartenschläferregionen sind heute die Gipfelbereiche von Kösseine, Seehügel, Platte, Schneeberg, Epprechtstein und Waldstein mit aktuellen Nachweisen.

Heute gilt der Gartenschläfer in Bayern als gefährdet, für Deutschland haben wir die Verantwortung für den Nager (Tierart der Liste des Bundesprogramms Biologische Vielfalt).

Die Ursachen des europaweiten, starken Rückgangs der Schlafmausart sind noch ungeklärt. Schätzungen sprechen von 50%, Quartiermangel und natürliche Feinde gehören sicher dazu. Der Erhalt strukturreicher Wälder mit hohem Alt- und Totholzanteil ist ein wesentlicher Faktor neben der punktuellen Bestandsstützung durch künstliche Nisthöhlen als Sommerquartiere.